Transalpine Run 2017 - Endphase der Vorbereitung und Vorschau aufs Event

von Patrick Kolei Kommentare Vorschau Transalpine Run 2017

In den letzten Wochen habe ich viele meine Beiträge, Bilder und Einträge mit den Hashtags #tar2017 und #teamSeventySeven verknüpft. In meinem Jahresausblick 2017 hatte ich dieses Wettkampf-Highlight ebenfalls bereits erwähnt. Jetzt geht die Vorbereitung in die heiße Phase, denn bis zum Startschuss am 03. September 09:00 Uhr bleibt uns nun nicht mehr all zu viel Zeit. Dann werden Bert und ich in der Startaufstellung der 13. Auflage des Gore-Tex Transalpine-Runs stehen. Wie lief bisher die Vorbereitung, was genau haben wir zwei Verrückten da eigentlich vor und wie genau sind die Planungen rund um dieses Mega-Event? All das erfährst du nun in diesem Bericht.

Ein paar Informationen rund um dieses Event, die Auswahl meines Partnes Bert, die geplante Vorbereitung und die Vorfreude hatte ich bereits im diesjährigen Jahresausblick gegeben. Nun sind die Tage / Wochen / Monate seitdem verflogen und es sind noch genau 4 Wochen bis zum Start. Es wird also Zeit nochmal einen kleinen Rückblick auf die bisherige Saison, die Vorbereitung und die Veranstaltung zu werfen. Denn dieser Wettkampf wird kein alltäglicher, denn er geht tatsächlich über mehrere Tage und wird einige von uns an ihre Grenzen bringen. In meinem läuferischen Freundeskreis habe ich einige, die diese Strecke bereits als Finisher absolvieren konnten, von denen ich auch nochmal wertvolle Tipps ergattern konnte.

Vorbereitung

Den ersten Wettkampf des Jahres setzte ich direkt mal in den Sand. Der Ausgang in Rodgau war aus heutiger Sicht eine Notwendigkeit und hat mir einfach auch mal gezeigt, dass nicht alles rund laufen kann und man auch mal Niederlagen einstecken muss. Prinzipiell ist durch meinen Ausstieg, nach der Marathondistanz, nicht viel passiert. Doch ergaben die daraus gewonnen Erkenntnisse einige Planungsänderungen. So entschied ich mich den Paris-Marathon nicht anzugehen und stürzte mich direkt ins Bergtraining. Im Hinblick auf den bevorstehenden Rennsteiglauf eine sehr gute Entscheidung. Auch wenn ich dafür noch nicht bei 100% war, konnte ich diesen erfolgreich zusammen mit Andre finishen. Das war gerade für die mentale Stärke unheimlich wichtig. Ich konnte also noch Ultra, was ich auch in einem entsprechenden Tweet deutlich machte.

Ich musste aber schnell weiter schauen, denn ursprünglich war auch ein Start beim Zugspitz Supertrail (XL) geplant. Zwischenzeitlich überlegte ich sogar die vollen 100 km nochmal anzugehen. Ich habe es nicht getan. Die Gedanken an die Gefahr einer Überbelastung und Generationszeit, welche ich danach brauchen würde, war mir einfach zu hoch bzw. viel. Ich entschied mich dennoch an diesem Wochenende nach Garmisch zu reisen, denn gemeinsam mit Armin nutzen wir die abgesperrte Strecke für einen Trainingslauf. Bereits viele Stunden vor dem eigentlich Starterfeld absolvierten wir gemeinsam den Basetrail und es fühlte sich richtig an. Bereits am nächsten Tag konnte ich wieder eine Trainingseinheit absolvieren und fuhr eine längere Rennradtour im regenerativen Bereich. Alles richtig gemacht!

Auch die Strecke am Walchensee wurde in der Vorbereitung wieder entdeckt. Zuerst als Wandertour mit meinem Mädel und einer weiteren Freundin, bereits einige Tage später wieder in meinem Trailrunningschuhen. In der Vorbereitung konnte ich diese 15,5 km Strecke mit knapp 1600 Hm nun bereits 6 Mal absolvieren, meist Abends zum Feierabend. Meist alleine, aber auch begleitete mich Armin mal auf eine Runde. Auch die Basetrailstrecke absolvierte ich in der Zwischenzeit 5 Mal, einmal sogar die XL Variante von Mittenwald nach Grainau. Aus München sehr gut zu erreichen und optimal von Länge und Höhenmetern. Jedesmal konnte ich bereits am nächsten Tag eine weitere Einheit absolvieren, sodass ich in den letzten beiden Wochen die Mehrtagesbelastung mehr und mehr in den Fokus genommen hatte.

Ein Trainingswochenende im Team haben wir natürlich ebenfalls absolviert. Wir wollten uns doch gemeinsam einstimmen und auch etwas aufeinander abstimmen. Wir kennen uns ja bereits eine Weile und die ersten 25 km beim Zugspitz Ultra 2015 waren ein toller Einstieg für dieses gemeinsame Ziel. Vom 14. - 16. Juli hatte ich daher Bert und Rocco zu Gast. Rocco war als Hund bereits an einige Trails gewöhnt worden, doch nun hatten wir wieder die Höllengebirgsüberquerung am Attersee im Blick. Aus diesem Grund reisten wir zu Josef, welcher uns eine Unterkunft anbot. Bereits 2013 hatte ich zusammen mit Gunter, Demeter und Josef diese Strecke absolviert. Damals war ich neu in der Trailrunningszene und hatte enorme Probleme. In diesem Jahr schlossen sich Bert und auch Manuel an, denn ich wollte endlich meinen Frieden mit dieser harten Runde. Sonne, Wind, Regen, Hagel, Kälte und ein technisch anspruchsvoller Downhill konnten uns an diesem Tag nicht stoppen, sodass sich für mich nun der Kreis schließt. Dort, wo damals alles begann, konnte ich nun eine perfekte Vorbereitung zum vermutlich größten Abenteuer meine Laufkarriere hinlegen. Das war einfach toll! Herzlichen Dank an alle beteiligten, dass war sicherlich nicht zum letzten Mal!

Während ich diesen Bericht schreibe, sitze ich im Zug nach Verona (Peschiera del Garda) um dort ein paar schöne Tage mit meiner Freundin zu genießen. Es ist allerdings auch ein kleines Trainingslager, denn jetzt darf ich nachlassen und ich freue mich darauf, auch andere Pfade und Gipfel im Training zu erreichen. Die Wetterbedingungen sind hervorragend und die Umgebung bietet sich förmlich an, dort 1-2 Runden zu drehen. Für weitere Details folgt man mir gerne auf Twitter und Instagram, dort werde ich sicherlich das ein oder andere Foto hinterlassen. Anschließend reise ich ein paar Tage nach Hamburg, wo ich zwar auch laufen, aber vermutlich nicht viele Höhenmeter sammeln kann. Die werde ich anschließend aber auf dem Jubiläumsgrat, auf dem Weg zur Zugspitze, absolvieren. Diese Tour wird dann der Endspurt meiner Vorbereitung sein, denn ab jetzt wird die Belastung nach und nach reduziert, um am 03. September frisch und ausgeruht am Start zu stehen.

Strecke & Planungen

Gerade heute habe ich wieder eine Email von Tamara (Team Plan-B) erhalten. Darin nochmal detaillierte Informationen zur Strecke, welche in 7 Etappen eingeteilt sind. Gerne möchte an dieser Stelle etwas ausführlicher über das Event schreiben, denn das alles liest sich schon wirklich sehr verrückt. Weckt bei mir persönlich allerdings auch eine irrsinnige Vorfreude!

1. ETAPPE: FISCHEN IM ALLGÄU — LECH AM ARLBERG
Alleine die nackten Zahlen versprechen es, es geht direkt in die vollen. Keine Aufwärmrunde, keine Eingewöhnungszeit und kein kleines Vorbereitungsgeplänkel. 41,5 km, dabei mit 2180 Hm im Aufstieg und 1506 Hm im Abstieg. Damit sollte klar sein, die Vorbereitung muss passen und wir müssen direkt voll da sein. Dennoch werden wir versuchen ruhig in die ersten Tage zu starten und unseren Rhythmus zu finden. Jeder für sich, aber auch im Team. Es wird auf dieser Etappe 3 Verpflungsstellen geben.

2. ETAPPE: LECH AM ARLBERG — ST. ANTON AM ARLBERG
Nach einer hoffentlich ersten erholsamen Nacht, geht es vom Herzen der Lechtaler Alpen direkt weiter. Wir werden versuchen und nach jeder Etappe bestmöglich zu erholen und fit und ausgeruht auf die neue Etappe zu kommen. Mental werden die ersten Tage sicherlich die schwerste, allerdings werden die letzten Etappen körperlich eine Herausforderung. Auch wenn sich die 24,2 km locker anhören, die 1987 Hm im Aufstieg und 2130 hm im Abstieg müssen erstmal absolviert werden! Auch wieder 3 Verpflegungsstellen auf der Strecke.

 3. ETAPPE: ST. ANTON AM ARLBERG — LANDECK
Ich bin davon überzeugt, die 100 Meter hat man extra aus den 39,9 km weggelassen. Das liest sich etwas angenehmer, als wenn man hier schon wieder eine 4 am Anfang stehen sieht. 100 Meter werden nicht entscheidend sein, aber hier sollten wir noch Kraft haben diese gut und wenn möglich auch locker zu überstehen. Mit weiteren 3 Versorgungsstellen haben wir aber wieder 2019 Hm im Aufstieg und satte 2494 Hm im Abstieg zu meistern. Das könnte eine Schlüsseletappe werden.

4. ETAPPE: LANDECK — SAMNAUN
Wer bisher dachte, das wird ein Spaziergang, wird sicherlich eines besseren belehrt. Es geht nämlich auf die längste Etappe des gesamten Wettkampfs. 46,5 km mit 2930 Hm im Aufstieg und 1911 Hm im Abstieg lassen es vermuten. Es wird hart. Es geht steil bergauf und alleine mit einem ausgeruhtem Körper ist das ein Brett. Wir werden unsere Tiefen haben, aber sicherlich auch unsere Höhen. Wir werden uns gegenseitig motivieren und aufbauen, denn auf dieses fantastische Panorama auf knapp 2800 Hm freue ich mich sehr!

5. ETAPPE: SAMNAUN — SCUOL
Es klingt förmlich surreal, aber es geht munter weiter. Auf 37,1 km werden wir unsere Körper wieder über 2000 Hm über die Trails wuchten, denn 2064 Hm im Aufstieg und 2690 Hm im Abstieg lassen es vermuten, jetzt werden bereits die Muskeln bei jedem Schritt zittern und schmerzen. Nach der Etappe heißt es wieder gut regenerieren, ausreichend essen, etwas massieren, eventuell etwas kühlen und frühzeitig ins Bett. Wir sind noch nicht am Ziel!

6. ETAPPE: SCUOL — PRAD AM STILFSERJOCH
Zuerst liest man wieder die 44,1 km, welche auf dem Programm stehen. Dann rutscht man in die Zeile der Höhenmeter: 1692 hm im Aufstieg und 1974 Hm im Abstieg. Hey, das absolviere ich doch am Walchensee auf knapp 15 km und fühle mich super dabei. Natürlich, aber da bin ich auch nicht auf der 6. Etappe des TAR! Inwiefern meine Beine, meine ganzer Körper und auch der Kopf sich auf diesen Tag freuen werden, lässt sich derzeit schwer voraussagen. Es ist allerdings die Ruhe vor dem Sturm, ähm Schlussspurt!

7. ETAPPE: PRAD AM STILFSERJOCH — SULDEN AM ORTLER
Das Ziel ist greifbar. Die letzten Etappe ist angebrochen. Aber ein lockeres auslaufen gibt es garantiert nicht beim TAR. Die Höhenmeter, welche wir einen Tag zuvor "gespart" haben, setzt man uns nun auf 30,5 km mit 2591 Hm im Aufstieg und 1655 Hm im Abstieg zwischen uns und dem ersehnten Ziel. Ich habe keine Glaskugel, aber eines ist sicher: Sollten wir uns an diesem Tag noch irgendwie bewegen können und es Morgens in die Laufschuhe schaffen. Wir werden diese Strecke überwinden. Jetzt gilt es die mentale Keule auszupacken und das Ding bis zum Ende durchziehen. Ohne wenn und aber, ich werde laufend in Sulden am Ortler einlaufen!

Wer hat nun alles aufgepasst und alles zusammengerechnet? Keine Sorge, das habe ich schon für euch getan:

Etappen: 7
Gesamte Distanz: 263,8 km
Hm im Anstieg: 15.463
Hm im Abstieg: 14.368

Wie sollte ich nun jemandem beschreiben, was mich dazu bewegt daran teilzunehmen? Nach all den Herausforderungen nochmal einen drauf zu setzen? Ehrlich gesagt, ich kann es kaum. Als Sportler, egal in welchem Bereich, sucht man immer höhere Ziele, ein neues Limit und möchte sich an die Grenzen des machbaren bringen. Hierzu zitiere ich gerne Teile der TAR-Webseite: "Der GORE-TEX® Transalpine-Run, eines der härtesten und zugleich spektakulärsten Trailrun-Events der Welt ... 300 Teams starten dieses Jahr am 3. September von Fischen im Allgäu zu einem der letzten großen Abenteuer, der Alpenüberquerung zu Fuß" 

Als ich mit dem Trailrunning begann, wollte ich neues erleben. Mit dem Start beim diesjährigen TAR werde ich dies definitiv tun. Es wird vielleicht nicht das letzte große Abenteuer, aber es wird definitiv eines der größten, spektakulärsten und schwersten Abenteuer, welchem ich mich bisher gestellt habe.

Bert und ich haben uns für die Unterbringung in den Hotels entschieden. Da wir die Nächte komplett ruhig verbringen möchten und uns somit bestmöglich für den neuen Tag ausruhen wollen. Ich werde versuchen über die komplette Zeit zu berichten und werde daher einen entsprechenden Live-Bericht starten, welche über eine spezielle Domain erreichbar sein wird. (Weitere Infos folgen in Kürze ...)

Support

Es ist mir immer eine ganz besondere Freude, wenn mich Familienmitglieder, Freunde oder auch Bekannte während meiner Wettkämpfe besuchen oder sogar begleiten. Den größten Support habe ich bisher von meinen Eltern erfahren, welche bereits viele Kilometer auf sich genommen haben, um mich an diesen entsprechenden Tagen zu unterstützen. Es ist daher unglaublich, als sie mir mitteilten, dass sie mich während der kompletten Zeit des TAR begleiten werden und mit ihrem Wohnmobile von Etappe zu Etappe reisen werden. Ich bin an dieser Stelle wieder etwas sprachlos, denn ich kann meinen Dank über eine solchen grandiose Unterstützung kaum beschreiben. 

Es wird für mich sehr wichtig sein, wenn ich daran denke, dass meine Mum & Dad bei jeder Etappe mit mir mitfiebern werden und ich vor allem auch im jeweiligen Zielbereich erwarten. Mein Dad ist ein unglaubliches sportliches Vorbild für mich, der mich während dieser Zeit sicherlich auch wieder mit wertvollen Tipps versorgen wird. Meine Mum ist eine unglaubliche Stütze, die sicherlich wieder alles dafür tun wird, dass ihr bestens umsorgt bin. Solche Eltern kann man sich nicht wünschen, solche Eltern sind einfach unbeschreiblich!

Gerade am Start wird es für mich sicherlich auch emotional werden. Denn meine Freundin Eva wird vor Ort sein und mich das erste Mal begleiten und mich auf die lange Reise des TAR schicken. Sie wird mitfiebern, mitleiden, mitfeiern und wie hoffentlich viele von euch von zu Hause meinen Verlauf während des Rennens verfolgen. Auch dafür bin ich sehr dankbar, denn nicht immer wird die sportliche Leidenschaft in einer Partnerschaft derartig unterstützt. Für mich ist das aber derartig wichtig, sodass ich daraus weitere Kraft ziehe und weiß, ich bin nie alleine.

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