13. Sächsischer Mt. Everest Treppenmarathon – Verrückt, Verrückter, #METM!

von Patrick Kolei Kommentare Wettkampf METM

Natürlich kannte ich die Berichte, Geschichten und Videos rund um „DIE TREPPE“. In diesem Jahr wollte ich allerdings selber Teil dieses Mythos werden und zögerte daher nicht lange, als ich lass, dass sich Ralf & Tim auf Twitter nach einem weiteren Teammitglied für ihre Dreierseilschaft umschauten. Der Teamname „#Twitterwürfel“ war geboren. Wieder hatte ich somit zwei sehr erfahrene Sportler an meiner Seite, denn Ralf Ibscher ist ein Spezialist für lange Distanzen und hat bereits mehrere unglaubliche Ziele als Finisher erreichen können. Er brachte auch die Erfahrung als Einzelstarter beim Treppenmarathon mit ins Team und versorgte uns mit hilfreichen Tipps. Im Bereich Triathlon ist Tim Janke sicherlich kein Unbekannter, denn er startete bereits beim Ironman Hawaii und konnte auch einige Siege in seiner Altersklasse für sich verbuchen. Jetzt waren wir ein Team! Was in dieser Nacht, am Morgen und dem restlichen Tag allerdings alles passierte, damit konnte keiner von uns rechnen …

In den Wochen vor dem Wettkampf schrieben wir immer wieder in unserer extra angelegten WhatsApp Gruppe. Wir beobachteten das Wetter, was wir sicherlich nicht beeinflussen konnte, und stellten schon verschiedene Infos zur Packliste bereit. Denn das Wetter sollte nicht sonderlich gut werden, woraufhin viele warme Sachen in den Koffer rutschten. Decken, Schlafsäcke, Pullover und Regenjacken waren allerdings für Ende April nicht unbedingt von mir bevorzugt gewesen. Mit einem weiteren Team, welches sich über Twitter zusammengefunden hatte, machten sich unterdessen auch Daniel, André und Chris als  bereit für #METM. Immer wieder gab es kleine "Spitzen" auf Twitter, denn jeder sah natürlich sein Team im Vorteil. Was allerdings nur die Schnelligkeit am Kuchenbuffet betraf.

Vorbereitung

Mit dem Wettkampf Rodgau 2017 und dem dortigem Ergebnis begann mein Jahr nicht wie geplant. Der Tag brachte mir allerdings dennoch Kilometer in die Beine und mein Training lief anschließend wie gewohnt weiter. Meine Entscheidung, bereits früher ins Bergtraining einzusteigen und dafür nicht zum Paris Marathon zu reisen, war daher für mich nur logisch. Das Jahr 2017 war geprägt vom Trailrunning, daher wollte mich auch frühzeitig genau darauf fokussieren. Am Paris Wochenende war daher meine erste größere Tour in den Bergen rund um Garmisch geplant. Es kam allerdings leider anders. Einen Tag vor der Tour entschied ich mich nämlich noch für eine lockere Ausfahrt mit meinem MTB. Beim Absteigen in einem Waldstück knickte ich mit dem linken Fuß auf einem Ast um, wovon mein Außenband wenig begeistert zu sein schien. Als ich um 04:00 Uhr am nächsten Morgen in meinem Bad stand war klar, nichts geht mehr. Ein dicker Bluterguss hatte sich entwickelt, ich musste kühlen und die Tour absagen. Die Tage danach waren deprimierend, denn ich konnte nicht laufen und wusste auch nicht, ob ich mir schlimmeres zugezogen hatte. Die Schwellung verging, sodass ich Mitte der folgenden Woche wieder mit leichten Läufen beginnen konnte.

Allerdings hatte ich wenige Tage später erneut etwas Pech. Beim GoKart fahren mit Freunden, hatte ich mich in einer Kurve etwas verschätzt und prallte gegen die Bande. Der Sitz bohrte sich in meine rechte Rückenseite, sodass ich erstmal nach Luft schnappen musste. Die Tage danach hatte ich keine Probleme oder Schmerzen. Eine Woche später stand nun die geplante (ausgefallene) Bergtour an, denn der Fuß schien zu halten. Mit meinem Lauffreund Armin hatte ich einen herrlichen Trailrunning-Runde. Tolle 30 Kilometer mit 1500 Höhenmeter um Garmisch hatten wir bei herrlichem Wetter hinter uns bringen können. Am nächsten Tag ging dann allerdings wieder nichts mehr. Mein Rücken schmerzte und ich konnte mich kaum bewegen. Was war denn bitte nur los? An dieser Stelle verbitte ich mir natürlich Kommentare wie „Du bist eben nicht mehr der Jüngste“ oder „Vielleicht solltest du etwas ruhiger machen“, diese durfte ich mich nämlich alle bereits anhören. Einige Tage später saß ich also beim Arzt und bekam eine Rippenprellung diagnostiziert. Schmerztabletten rein und Ruhe, das war die natürliche Folge. Es waren allerdings nur noch drei Tage bis zum #METM. Na super!

Natürlich behielt ich Ralf & Tim im Auge, soweit ich die Trainingsläufe über Facebook, Twitter oder Strava verfolgen konnte. Auch ging immer mal wieder ein Blick zu den Kollegen aus dem anderen Team. Auch sie waren allesamt sehr fleißig und konnten bereits wieder weite Distanzen und ordentlich Höhenmeter in ihren Trainings sammeln. Die Voraussetzungen waren daher unterschiedlich gut oder schlecht. Dennoch dachte ich zu keiner Sekunde darüber nach, meinen Start in Radebeul abzusagen und konzentrierte mich stattdessen darauf die restlichen Tage bis zum Start ruhig zu gestalten. Etwas schwimmen ging, damit versuchte ich die Muskeln zu lockern, aber nicht allzu viel Belastung auf die Rippen zu bekommen.

Anfahrt & Unterstützung

Bereits frühzeitig signalisierte Susi mir, dass sie mich unbedingt zu diesem Spektakel begleiten würde. Somit war bereits eine Unterstützung sicher und die Anfahrt sollte sich zusammen auch wesentlich angenehmer gestalten. Zudem freute ich mich natürlich auch wieder ganz besonders auf Ulf, denn als Veranstalter des Treppenmarathons sollte er mir auf jeden Fall wieder über den Weg laufen. Unvergessen bleibt unser gemeinsamer München Marathon 2014, bei welchem er mich vor ein paar Jahren zur damaligen neuen Bestzeit gezogen hatte. Ebenfalls freute ich mich auf Maty, Corinna, Karen, BeateIsabell, Sascha und Kersten, denn sie waren ebenfalls allesamt an diesem Tag vor Ort.

Wir entschieden uns für eine frühe Anreise, sodass um ca. 11 Uhr am Samstag die Räder Richtung Dresden rollten. Das lief alles vollkommen entspannt und ohne großartige Verkehrsbehinderungen ab. Allerdings war das Wetter bereits auf der Hinfahrt mehr als wechselhaft. Wir hatten starken Regen, Wind und zwischenzeitlich richtig viel Sonne. Gegen 14 Uhr parkten wir das Auto und schleppten die ersten Koffer zum Versorgungsstand. Dort angekommen interessierte ich mich allerdings erst Mal für "DIE TREPPE". Was für ein Anblick, den ersten Moment werde ich wohl so schnell auch nicht vergessen. Das Ende kann man von oben nur sehr schwer erkennen und man fragt sich einfach nur, wie soll das bitte funktionieren? Wir sollten es in den nächsten Stunden nach dem Start erfahren.

Wartezeit bis zum Start

Zwischenzeitlich trudelten immer mehr Teilnehmer ein, denn die Einzelstarter sollten bereits um 16 Uhr auf die Strecke gehen. Sie hatten nämlich 24h Zeit um die ersehnten 100 Runden und somit die Höhe des Mt. Everest zu schaffen. Für mich schien das alles unwirklich, sodass ich bereits zu diesem Zeitpunkt, obwohl noch nicht eine Läuferin oder Läufer auf der Strecke war, das alles als total bekloppt und nicht machbar betrachtete. Auch Daniel, Andre und Chris trudelten ein und die Gespräche drehten sich nun ausschließlich nur noch um Stufen, Runden, Zeiten und vor allem Kuchen und Verpflegung. Ich hatte im Zelt bereits einen Bereich für uns reserviert, sodass wir während dem Rennen alle zusammen waren und uns ggf. auch motivieren konnten. Das Zelt war beheizt, sodass wir uns auch zwischen den Runden immer wieder aufwärmen konnten bzw. die Körperwärme nicht verloren. Auskühlung wäre ein großes Problem für die Muskulatur gewesen. Die Organisation hätte besser nicht sein können, man merkte die enorme Erfahrung bei der 13. Auflage dieses Wettkampfs. Von meinen Teammitgliedern fehlte allerdings bislang noch jede Spur. Musste ich die Strecke etwa doch als Einzelstarter absolvieren? Gott bewahre.

Start der Einzelteilnehmer. Es war so surreal, als die Läufer sich auf die erste Runde machten, die ersten Stufen in einem irren Tempo bergab stürzten. Was für ein irres Anfangstempo, denn ich dachte immer darüber nach, dass viele dieser Sportler nun 24h unterwegs sein werden. Dabei selber entscheiden werden wie lange, wie viel sie Laufen und zwischenzeitlich Schlafen werden. Natürlich wollten ALLE von ihnen die 100 Runden schaffen. Wir beobachteten noch die ersten Runden, das Wetter war mittlerweile super, die Sonne strahlte und die meisten zogen bereits wieder ihre langen Sachen aus. Allerdings war uns allen klar, dass die Nacht schnell hereinbrechen würde und dann auch die Temperaturen sinken würden.

Wir hatten nun noch ca. 7 Stunden bis zu unserem Start um genau 0 Uhr. Eine verdammt lange Zeit und ich überlegte zwischenzeitlich, ob es die richtige Entscheidung gewesen war so früh anzureisen. Ich richtete mich ein, versuchte noch etwas zu essen und mit Gesprächen versuchten wir die Zeit zu überbrücken. Ich entschied mich, nicht mehr zu schlafen. Ich hatte nämlich die Sorge, dass mein Körper dieses zum Anlass nehmen würde komplett runter zu fahren und nicht mehr in Fahrt kommen zu wollen. Außerdem, Vorschlafen ist ohnehin nicht möglich. Irgendwie verging dann doch die Zeit. Zu meiner Begeisterung trafen zwischenzeitlich auch Tim & Ralf im Zelt ein. Langsam machten wir uns fertig, lauschten der Wettkampfbesprechung, nahmen unsere Startunterlagen in Empfang und fieberten nun dem Startschuss entgegen.

Startschuss für die Seilschaften

Es war mittlerweile dunkel geworden. Es war 0 Uhr und die Nacht war über uns hereingebrochen. Noch wenige Minuten bis zum Start der Staffeln/Dreierseilschaften. Ralf machte den Anfang, er sollte uns in der ersten Runde schon mal ein Polster rauslaufen. So jedenfalls der Plan von Tim, der wenigstens einmal auf der ersten Position stehen wollte. Ralf legte direkt mal eine 06:25 min/Runde hin, das war sehr stark! Wir hatten sichtlich unseren Spaß machten unsere Späßchen und versuchten das alles sehr locker zu sehen. Noch. Ich reihte mich an zweiter Stelle ein und versuchte mich in der ersten Runde erst Mal an die Strecke zu gewöhnen, meinen Rhythmus zu finden und die optimale Schrittlänge für die Treppenstufen zu finden. Die ersten fünf Runden pendelte ich mich daher mit: 07:18, 07:00, 07:02, 07:26 und 07:15 min/Runde ein. Auch Ralf wusste um die Länge des Wettkampfs und wurde etwas ruhiger: 06:25, 06:55, 07:09, 07:06, 07:24. Tim ließ das alles unbeeindruckt, er war hoch motiviert und top fit: 06:26, 06:42, 06:43, 06:24, 06:27 min/Runde waren unglaublich gute Zeiten für den Anfang. Das Team #Twitterwürfel setzte sich direkt auf dem dritten Platz fest.

In der Zwischenzeit, in der Regel hatten wir also zwischen 13-15 Minuten etwas Pause, versuchten wir auf der einen Seite nicht auszukühlen und warm zu bleiben, auf der anderen Seite aber auch nicht den Rhythmus zu verlieren. Wenn man sich im Zelt umsah, dann hatte jeder sein eigenes Rezept dafür. Auch die drei anderen aus dem Team #KCHNCRW waren gut ins Rennen gestartet und auf der Suche nach den richtigen Schritten für jede einzelne Stufe. Immer wieder tauschten wir uns aus und gaben uns wertvolle Tipps. Keine Spur von Konkurrenz, wir bildeten sozusagen ein „Twitterteam“ gegen den ganzen Rest. Daniel versank immer wieder gerne in seinem Stuhl, machte einen kurzes Nickerchen und begab sich dann wieder auf seine Runde, wenn er das Zeichen von seiner Uhr bekam. Andre und ich quatschen viel und versuchten und so von der Müdigkeit abzulenken. Chris saß ebenfalls nach jeder Runde und versuchte sich sinnvoll die Kräfte einzuteilen. Draußen war es kälter geworden und ich suchte noch nach der passenden Mischung meiner Klamottenzusammenstellung. Eine Runde war es zu warm, dann zog der Wind wieder in den Rücken. Es dauerte ein wenig, aber dann hatte ich den optimalen Zustand erreicht. Die Runden vergingen und besonders motivierend war es immer, wenn wir jemand aus dem anderen Team auf der Strecke trafen und abklatschen konnten.

Die Hälfte – Runde 16 – erreicht

Immer wieder schaute ich in die Gesichter, wenn ich in meinen Stuhl versunken war. Eingewickelt in meine Decke, sah ich auch den anderen Teilnehmern die Belastung an. Ich versuchte nicht mitzuzählen, und dennoch schwirrten die Rundenzahlen immer durchs Zelt. Ich erinnere mich noch gut, als ich meine 16. Runde absolviert hatte. Ich drehte mich zu Ralf und meinte nur „das war jetzt wirklich erst die Hälfte? Gerade mal die Hälfte?“. Er schaute mich nur an und meinte „ja, es ist sehr anstrengend“. Tim hüpfte unterdessen durchs Zelt als hätte das Rennen noch nicht begonnen. Es war dieser Zeitpunkt, als ich auch das Gefühl hatte keine Runde weiter laufen zu können. Ich sah immer dieser Stufen vor mir, welche beim runterlaufen an mir vorbeiflogen, beim hochlaufen sich wie in Zeitlupe in mein Gehirn festsetzten. Trotzdem hatte ich gerade im ersten Teil nach unten absolut meine Stärke gefunden. Auch wenn man in der Nacht einige Stellen der Treppe nicht sonderlich gut sah, man hatte bereits das Gefühl entwickelt und wusste wo der Fuß hin musste. Am unteren Ende der Treppe hatte ich immer eine Zeit zwischen 01:45-02:00 und war nie langsamer. Der Weg hin zur Wende und zurück war zermürbend, zumal hier ein fieser Wind wehte und die leichte Steigung von Runde zu Runden schwerer zu laufen war. Ich versuchte es so lange wie möglich durchzuhalten.

Den nächsten Anker, welchen wir als Motivation im Zelt ausmachten, war die anbrechende Helligkeit. Ich freute mich darauf, denn es war einfach eine Veränderung der Strecke. Ich hoffe zudem sehr, dass mein Körper dann aus dieser Müdigkeitsphase ausbrechen würde und mir wieder neue Kraft verleihen würde. Als ich allerdings meine 20. Runde absolviert hatte, machte sich mein Rücken extrem bemerkbar. Meine Rundenzeiten waren immer noch unter 08:00, dennoch wollte ich nichts riskieren. Ich bat Tim um eine Schmerztablette. Er wollte mich daraufhin auf meiner nächsten Runde ersetzen, denn die Tablette musste erstmal wirken. Ich war zuerst nicht gerade begeistert, doch alleine das Team zählte und Tim war gut drauf. Er absolvierte also zwei Runden nacheinander und verschaffte mir so wieder etwas mehr Zeit um mich zu erholen. Bei der Seilschaft müssen 100 Runden von 3 Teilnehmern gemeinsam absolviert werden. Wie sie sich diese einteilen, ist jedem Team selber überlassen. Im Prinzip kann der erste 33 Runden machen, dann der zweite weitere 33 und der letzte die verbleibenden 34 Runden. Soweit ich das überblicken konnte, entschieden sich aber alle Teams für den 1-1-1 Wechsel. Generell musste jedes Teammitglied mindestens 25, aber höchstens 50 Runden einbringen. Ich reihte mich wieder ein und legte wieder eine 07:46 min/Runde auf die Stufen. Ralf war auch nicht mehr der frischeste und war zwischenzeitlich etwas über 08:00 min/Runde. Tim bewegte sich unterdessen immer um die 07:00 min/Runde. +/- 20 Sekunden, sehr stark und konstant!

Die Kräfte schwanden …

Das Rennen begann erst jetzt! Sprichwörtlich. Ich hatte aufgehört Runden zu zählen. Besser gesagt, ich wusste längst nicht mehr wie viele Runden ich bereits absolviert hatte und ich wusste auch ganz bestimmt nicht wie viele noch vor mir lagen. Mein Hirn war dafür auch nicht mehr in der Lage. Ich habe diese Gesichter der anderen immer noch vor meinem geistigen Auge. Das Lachen und die Witze waren mittlerweile verstummt und jeder war mit sich und seiner schwindenden Kräfte beschäftigt. Zaghaft klatschten wir pro Runde ab, doch selbst diese Kraft war kaum noch aufzubringen. In einigen Gesichtern stand die pure Kraftlosigkeit, was man meinem Gesicht mittlerweile wohl auch ansah. Viele waren wie eingefallen, aber keiner wollte aufgeben. Daniel hielt sich weiterhin an seine „kurzen Schlafzeiten“ während seinen Pause und ich dachte jedes Mal, ob er gleich nochmal aufsteht? Er stand auf, lief und setzte sich wieder. Chris machte auf mich den unbeeindrucktesten Eindruck, auch wenn er zwei dreimal seinen Einsatz verpasste und etwas spät beim Wechsel stand. Andre hatte zu kämpfen und das sah man ihm deutlich auch an. Man konnte es im nicht verübeln, denn wir alle sahen mittlerweile beschissen aus. Auch Ralf war erschöpft, mampfte aber zwischendurch immer viel Kuchen und Marmeladenbrote, sodass man sich um ihn wohl keine Sorgen machen musste. Tim? Tim war Tim. Auch er hatte sicherlich seine Löcher und schwereren Runden, lies sich das aber meist nie anmerken und war auch während den Pausen irgendwie immer in Bewegung. Jung müsste man nochmal sein

Ziele, Platzierungen und Erleichterung

Die letzten beiden Runden durften doch nicht mehr schmerzen als die Runden zuvor, oder? Durch die Übernahme von Runden von Tim & Ralf hatte ich dann plötzlich meine 30 Runden absolviert und hatte somit nur noch eine. Was für eine Erleichterung! Nochmal machte ich mich also auf die Stufen abwärts und konnte diese auch wieder voll durchlaufen. Mittlerweile waren auch wieder sehr viele Zuschauer an der Strecke, jubelten gerade am oberen Abschnitt der Treppe und zogen einen die letzten Stufen förmlich hoch. Aber auch unten standen viele und klatschten uns jeden Meter voran. Hier wollte niemand aufgeben, hier wollte niemand stehen bleiben. Als ich den Fuß auf die erste Stufe setzte um mich auf meinen letzten Anstieg zu machen, wollte ich auch diese Runde gut abschließen. Dennoch wusste ich, jede Stufe, welche Du jetzt hinter dich bringst, wird, zumindest für diesen Tag, die letzte sein. Das entfesselte die letzten Kräfte.

Ich hörte mein Herz bis zum Hals schlagen, alles egal. Ich hörte mich keuchen, alles egal. Ich hörte mich leise wimmern, alles egal. Ich spürte jeden einzelnen Muskel in meinem Oberschenkel und Waden, alles egal. Auch auf meiner letzten Runde lief ich nach der Treppe, die ca. 50 Meter bis zum Ziel, nochmal an und konnte es kaum fassen! Ich hatte es geschafft. Nochmals eine 07:14 min/Runde, damit schickte ich Ralf auf seine letzte Runde. Die letzten Meter sind die schönsten, egal ob bei einem Marathon, Ultra oder Triathlon. Dieses Gefühl es geschafft zu haben, angefeuert und gefeiert zu werden, ist einfach unglaublich. Die ganzen Schmerzen in den Stunden zuvor, die mentale Kraft, welche man aufbringen musste, waren wieder auf einen Schlag weggewischt.

Im Zelt hielt mich nun nichts mehr, auch wenn der Wind mittlerweile richtig fies war und der Regen nicht mehr aufhören wollte. Ralf schickte nach seiner letzten 08:19 min/Runde Tim auf dessen letzte Runde los. Er sollte am unteren Ende unsere Medaillen einsammeln und uns diese nach oben tragen. Am Ende der Treppe erwarteten wir ihn, denn wir wollten gemeinsam mit ihm ins Ziel laufen, als Team. Was für eine unfassbare Teamleistung! Jeder von uns wuchs bei diesem Wettkampf über sich hinaus und steuerte seine beste Leistung hinzu. Sicherlich hatten wir alle unsere schlechten Momente und guten Phasen, wir gaben allerdings nie auf und pushten uns gegenseitig. Es war mir eine riesige Freude und Ehre an diesem Tag mit diesen beiden Jungs auf der Strecke laufen zu dürfen!

Am Ende erfuhren wir noch, dass ein Teammitglied aus dem vor uns liegendem Team verletzt war und nicht mehr weitermachen konnte. Somit konnte er auch nicht die geforderten 25 Runden absolvieren und wir rutschten auf den 2. Platz. War das alles wirklich zu glauben? Bei der Premiere des Teams #Twitterwürfel hatten wir damit sicherlich nicht gerechnet. Wir rechneten mit einer Zeit unter 13 Stunden, aber Ende reichte es zu einer Gesamtzeit von 12:34:56 und somit Platz 2 in der Gesamtwertung der Männerstaffel / Dreierseilschaft. Insgesamt gingen 24 Staffeln an den Start. Dabei konnte Tim grandiose 35 Runden (04:09:34), Ralf 34 Runden (04:22:16) und ich 31 Runden (04:02:28) beisteuern. Wir waren super stolz, aber auch vollkommen erledigt. Ich versuchte immer wieder die letzten Stunden Revue passieren zu lassen, aber es fiel mir wahrlich schwer. Zu viel war in den letzten Stunden passiert.

Das Team #KCHNCRW war unterdessen noch auf der Strecke und wir unterstützten sie soweit wir das noch konnten. Auch sie wollten das Ding nach Hause bringen, auch sie wollten nicht aufgeben. Der Zieleinlauf von Daniel, Chris und Andre war daher ebenfalls sehr emotional, diese Erleichterung konnte ich mittlerweile mehr als nachvollziehen. Sie schafften mit einer Zeit von 14:18:34 Rang 8. Jeweils 33 Runden kamen von Daniel und Andre, Chris hatte die Ehre der letzten Runde und steuerte somit 34 Runden bei. Glückwunsch Jungs!

Fazit

Während des Wettkampfs, meist wenn ich gerade auf meiner Runde unterwegs war, dachte ich oft darüber nach, was für eine unfassbare Leistung von den Einzelstartern da eigentlich vollbracht wurde. Auch ich dachte darüber nach, dieses Ziel für mich einmal festzulegen, aber ich konnte diesen Gedanken nicht zu Ende bringen. Zu verrückt schien mir dieser Gedanke zu sein, wirklich 100 Runden alleine angehen zu wollen. Auch wenn ich dafür 24 Stunden Zeit hätte, die Belastung würde irrsinnig sein. Mit ein wenig Abstand sehe ich den Dingen nun etwas positiver entgegen, denn viele Teilnehmer hatten es auch in diesem Jahr geschafft. Warum also nicht ich? Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich allerdings nicht festlegen, ob und vor allem wann ich dieses Projekt wirklich einmal alleine angehen werde …

Ulf uns sein Team leisteten an diesem Wochenende einfach großartiges. Die Organisation war perfekt und von meiner Seite aus gibt es absolut nichts zu meckern. Wir wurden jederzeit bestens umsorgt, es war ausreichend Platz, Getränke und Ernährung waren super und auch vielfältig. Lobend muss ich an dieser Stelle natürlich auch die Marmeladebrote von Corinna erwähnen, welche mir gerade in meinen schlechteren Phasen immer wieder Kraft gaben weiter zu machen. Alle waren sehr freundlich, hilfsbereit und stets zur Stelle, wenn man etwas benötigt. Genau das macht für mich auch den Reiz dieser „kleineren“ Veranstaltungen aus.

Ich hatte ein super tolles Wochenende, was alleine schon den Menschen zu verdanken ist, die ebenfalls vor Ort waren. Wir halfen, motivierten, unterstützen und pushten uns gegenseitig. Alle Teilnehmer, aber auch der Support an der Strecke. Dabei auch ein großer Dank an Susi und Sascha, welche viele Bilder und Videos an diesem Tag beisteuerten und uns auch die letzten Meter immer wieder nach vorne brüllten. Diese sind in diesem Bericht zu finden.

Es war hart, aber es ist geil jetzt ein Teil vom Mythos „ DER TREPPE“ zu sein. Vielen Dank!

Weitere Berichte:

Chris: http://schluppenchris.de/metm-mein-erlebnis-treppenmarathon
Daniel: https://www.endurange.com/metm-selbsterfahrungstrip-in-33-runden

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