Halbmarathon Mittelrhein - das war länger als erwartet

von Patrick Kolei Kommentare Mein Wettkampfdebüt

 
Ich habe seit Beginn meines Trainings ca. 12 kg abgenommen. Ich habe in diesem Training ordentlich Laufkilometer absolviert (max. 12-15 km). Ich habe mir viele Geschichten über Wettkämpfe in der Halb- und Marathondistanz angehört. An allem hatte ich immer sehr viel Spaß, besonders an den Geschichten. Das allerdings ließ meinen Ehrgeiz nicht in Ruhe. Warum bitte sollte ich das nicht auch schaffen? Eine Anmeldung zur Lauf-Veranstaltung ist schnell erledigt. Daten eingeben, Geld überweisen, Bestätigung erhalten. Das erledigt man meist Wochen vor dem Tag X, ist dann noch recht locker und freut sich auf diesen. Jedenfalls, bis er dann wirklich gekommen ist und man am Abend davor seine Tasche packt.

Die Anspannung vor dem Start

Ich schreibe diesen Bericht ca. 9 Jahre nach der eigentlichen Veranstaltung, doch ich kann mich heute noch in meine damalige Lage versetzen, in die Emotionen und teilweise Sorgen, die ich damals verspürte. Einiges davon verspüre ich auch heute noch, wenn ich dann in der Menschentraube stehe, wenige Minuten vor dem Start. An diesem Tag war es etwas besonderes, denn ich hatte dieses Gefühl, dieses leichte kribbeln, das erste Mal richtiges Wettkampffeeling. Was bitte kommt jetzt die nächsten 21,1 km auf mich zu? Habe ich mich gut und vor allem ausreichend vorbereitet? Beim Mittelrhein Halbmarathon fährt man 1 ~ 1/2 Stunden vor dem Start vom Koblenzer HBF nach Boppard. Von dort geht es dann, am Besten in Laufschuhen und das so schnell wie möglich, wieder zurück nach Koblenz. Dort wird man am Deutschen Eck von den jubelnden Zuschauern empfangen. Hört sich soweit doch gar nicht so schlimm an, denn gerade der Zieleinlauf soll ein Highlight eines jeden Wettkampfes sein. Dabei unterscheiden die Fans dort nicht zwischen einer Stunde, eineinhalb oder mehr als zwei Stunden. Viele davon werden sich vielleicht nie an den Start eines solchen Laufes stellen.

Die Fehler, die auch ich machte

Dort stand ich nun, in Boppard, alleine. Ich kann mich noch an viele einzelne Details erinnern, doch an eines nicht mehr: Warum lief ich diesen einen ersten HM alleine? Ich durchwühlte also meine Tüte, welche ich zum Start erhalten hatte, und hatte noch mehr als genug Zeit um 5~6 Mal auf die Toilette zu gehen und mir die dort verpackten Werbezettel und vor allem auch Testproben von unzähligen Herstellern anzusehen. Sollte jetzt ein Leser dabei sein, welcher vor dem ersten Wettkampf in seinem Leben steht, den möchte ich dringlich von den mir jetzt durchgeführten Fehlern abzusehen. Ich dachte mir also, habe ich genug Getränke dabei? Gibt es genug Verpflegung an der Strecke und natürlich auch, wie werden meine Beine die Distanz verkraften? Zu wenig Kohlenhydrate wäre doch sicherlich nicht hilfreich. Also packte ich mir ein Teil der Gels, Riegel und Getränkezusätze in die Laufhose, die anderen nahm ich zu mir und erhoffte mir einen richtigen Schub und keinerlei Leistungseinbrüche während dem Rennen. Nun wartete ich noch ca. 15 Minuten bis zum Startschuss.

Einfach nur laufen, einfach nur etwas weiter

Er war gefallen. Ich war auf dem Weg nach Koblenz, zu Fuß, in meinen Laufschuhen. Ein herrliches Gefühl, so mitten in einer riesigen Traube von Mitstreitern. Sicherlich sind in Koblenz nicht so viele Menschen am Start, für mich aber waren es tausende. Die einen, mit einem ambitionierteren Ziel, spurteten direkt davon. Die anderen, wohl genauso unerfahren wie ich, blieben mitten drin. Dann noch die, die meinen auf den ersten 5 Kilometern das Rennen für sich entscheiden zu können und jeden mit einem Ellbogencheck vor der Strecke schubsen möchten. Ich lies mich, von dem allem nicht beeindrucken, denn ich lief ja hier schließlich mein eigenes Rennen und genoss vor allem einfach mal den Moment. Einen wichtigen Tipp hatte mir mein Trainer mitgegeben, geh das Rennen auf keinen Fall zu schnell an, gerade bei Deinem erstem. Es war Sommer. Wir hatten zu dieser Jahreszeit bestes Wetter und die Strecke am Rhein entlang kann sich wirklich sehen lassen. Ich hatte bereits ca. 7 km hinter mir, alles lief eigentlich recht gut, denn diesen Teil der Distanz kannte ich aus dem Training. Doch irgendwie ging es meinem Magen plötzlich gar nicht mehr so gut ...

Das hatte ich mir anders vorgestellt

Kilometer 12 hatte ich gerade passiert. Der Versorgungsstand war ziemlich überfüllt, dennoch habe ich mich mit Getränken und einem Stückchen Banane versorgt. In meinem Magen rumorte es mittlerweile, was war denn plötzlich los? Das hatte ich doch sonst nicht und die Aufregung hatte ich doch längst hinter mir gelassen? Nachdem ich auch die letzten Getränkezusätze aus meinem Überraschungstütchen im Wasser gelöst und zu mir genommen hatte, fiel es mir auf. Verträgst Du das Zeug überhaupt? Nein, das tat ich wohl nicht. Bitte liebe Lauf-Anfänger, solltet ihr diesen Beitrag jemals vor eurem ersten Wettkampf finden, ich möchte euch warnen: Nehmt keine Gels, Riegel oder Zusatzstoffe die ihr nicht ausgiebig im Training getestet und auf Verträglichkeit an euch selber getestet habt. Ich befolgte diese Regel nicht und hatte ab KM 15 einen K(r)ampf vor, den ich mir für meinen ersten HM gerne erspart hätte.

Finisher! Durchkommen, egal wie!

Auch wenn es damals wohl gefühlt Stunden gedauert hat, bis ich endlich vor die Tore von Koblenz angelaufen kam, so leicht und schnell lässt sich dieses Kapitel heute beschreiben. Ich wollte nur einfach endlich ins Ziel. Mit Krämpfen in den Beinen, mit schmerzenden Füßen und vor allem mit einem total aus der Kontrolle geratenem Magen! Viel Freude hatte ich bei diesen letzten Kilometern wohl nicht mehr. Ich konzentrierte mich die letzen KM auch nur noch auf den Zieleinlauf - darauf freut ich mich. Damals wartete dort niemand auf mich, meine Familie wohnte zu weit weg. Ein paar Mitstreiter aus dem Fitnessstudio waren an der Strecke zu sehen, ein Schulterklopfen von Unbekannten und eine persönliche Begrüßung des Moderator am Eck sind alles an was ich mich heute noch erinnern kann.

Als ich ein paar Meter hinter der Ziellinie angekommen war, strauchelnd den Helfern entgegen fiel, dort die Medaille um den Hals gehängt (bzw. fast schon geworfen) bekommen hatte, war kein Halten mehr möglich. Es brach einfach aus mir heraus, ich heulte wie ein Schlosshund. Ich hatte mich nicht verletzt, nein, ich war einfach überglücklich und war jetzt offiziell ein Finisher eines Halbmarathons. Diese ganze Belastung, Aufregung und Anstrengung war plötzlich weg. Dieses Phänomen sollte mich auch in den nächsten Jahren noch bei vielen Zieleinläufen begleiten. Damit war ich allerdings nicht alleine, wie ich rechts und links von mir immer wieder erleben und belächeln durfte. Ich hatte es geschafft. Den Kilos und der schlechten Kondition zum Trotz, ich war wieder Sportler.

Über die Jahre begeisterte mich die Fotografie immer mehr. Auf allen heutigen Veranstaltungen gibt es immer sehr viele Bilder. Leider gibt es von diesem, meinem ersten Erfolg keine Bilder. Doch es gibt eine Urkunde, auf der meine erste Zielzeit von 2h 17m 20s vermerkt ist.

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